Foto: Holger Bernert

Jörg Lambers ist das, was man landläufig als Quereinsteiger bezeichnet. Der 50-Jährige hat bis vor kurzem noch als Sozialarbeiter im Koblenzer Jugendamt gearbeitet. Erste gastronomische Erfahrungen sammelte er in Deutschlands erstem und einzigem „Boulodrome“. Ein paar Dörfer weiter hat der Selfmademan in der alten Remise des Burghofs  – eines Außenhofes der Burg Eltz  – eine Indoor-Anlage für heimatlose Boule-Spieler errichtet. Mit gutem Essen und Trinken und einer Kleinkunstbühne hat er schnell die Herzen der Gäste aus nah und fern erobert. Der Laden brummt.

Diesen Erfolg möchte Lambers jetzt in seinem neuen Drei-Sterne-Hotel in einem ehemaligen Landgasthof fortsetzen. „Auf der täglichen Fahrt zur Arbeit ist mir das Anwesen in Pillig aufgefallen“, erzählt der Nachwuchshotelier. „Nach einer ersten Besichtigung habe ich mich sofort in das etwas in die Jahre gekommene Objekt verliebt und spontan gekauft.“ Der Landgasthof mit dem Charme der späten 70er Jahre musste natürlich von Grund auf saniert und um eine Hoteletage erweitert werden. „Insgesamt mussten wir 450.000 Euro in die Hand nehmen.“ Doch das Geld ist gut investiert.

Mit dem Hotel Pastis ist ein Hotelprojekt entstanden, das bisher seinesgleichen sucht. Denn das gesamte Inventar des Hauses stammt von Ikea. „Ich bin seit über 30 Jahren zufriedener Ikea-Kunde. Und da bin ich auf die Idee gekommen, die schwedischen Möbel auch für die Inneneinrichtung zu nutzen. Und natürlich haben wir – wie sich das gehört – jedes Bett und jeden Schrank mit eigenen Händen aufgebaut“, lacht Jörg Lambers. Insgesamt verfügt das Hotel über acht Doppelzimmer, ein Einzelzimmer und zwei Suiten. Dabei hat er viel Wert auf die individuelle Gestaltung der Räumlichkeiten gelegt. „In den Zimmern hat der Maifelder Künstler Ingo Linz seine ganz persönliche Handschrift hinterlassen.“

Der engagierte Hotelier möchte aus dem Hotel Pastis ein „Haus der Künste“ machen. So soll zum Beispiel die Hausfassade als riesige „Leinwand“ dienen und von unterschiedlichen Künstlern verschönert werden. Darüber hinaus können die Räumlichkeiten als Galerie genutzt werden.  Alle zwei Monate gibt es neue Ausstellungen sehr unterschiedlicher Künstler. Was im „Boulodrome, Alte Remise“ mittlerweile zum festen Bestandteil des Kulturprogramms gehört, soll nun auch im Hotel Pastis umgesetzt werden. „Wir bieten hier Musikern aus der Umgebung die Möglichkeit an, sich einem größeren Publikum

zu präsentieren.“ Zu diesem Zweck hat Lambers den Gastraum in eine multifunktionale Kleinkunstbühne mit modernster Beschallungstechnik umfunktio­niert.

Für die Zukunft hat Jörg Lambers weitere Ideen im Kopf. Zum einen möchte er aus der ehemaligen Kegelbahn ein professionelles Tonstudio machen. „Dann haben Bands die Möglichkeit, das gesamte Hotel zu mieten, in Ruhe an ihrer neuen CD zu arbeiten und sie anschließend in einem ,Club-Gig‘ einem ausgesuchten Publikum vorzustellen“. Erste Anfragen liegen bereits vor. Auch kulinarisch soll es etwas Besonderes geben, denn im Hotel Pastis wird u.a. die Küche der Provence im Spätsommer Einzug halten. „Denn wir möchten uns mit unserer frischen, unkonventionellen Küche, mit französischem Einschlag bewusst von den anderen gastronomischen Betrieben, die Eifler Spezialitäten anbieten, abheben.“ 
Holger Bernert